Napoleon - eine alternde Hausfrau

Kapittel 6

Mittlerweile hatten mein Traummann und ich beschlossen, für weiteren Nachwuchs in der Familie zu sorgen - ein Hund musste her. Also wälzten wir Bücher. Aber eine Rasse war zu klein, bei der anderen gab es keinen Züchter in der Nähe. Und vor allen Dingen musste der Hund kinderlieb sein. Schließlich gerieten wir durch Zufall an Happy - einen wunderschönen Schäferhund. Als Happy zu uns kam, konnte Tochter C. fast unter ihr durchlaufen. Die Kinder waren begeistert - aber erst später. Die ersten Tage mit Hund bekam ich die Kinder kaum zu Gesicht. Sie hatten Angst und beschlossen, oben in ihren Zimmern zu bleiben. Das bedeutete: Wollte ein Kind zum Klo, etwas zu essen oder trinken - Schreien, damit es anschließend durch die Wohnung getragen werden kann. Aber ich hatte die Rechnung ohne den Hund gemacht. Als Tochter C. einmal wieder weinte, leckte der Hund ihr durchs Gesicht. Damit war der Bann gebrochen. Happy hatte Tochter C. "geküsst" und ich hatte meine Kinder wieder.<br /> Spaziergänge mit dem Hund alleine waren einfach. Kinder ins Laufgitter und Videokassette rein, im Zweifel "Bambi" oder "Alla Alla" (Cinderella). Jedoch machte Tochter A. mir einen Strich durch die Rechnung. Sie zeigte Tochter C. wie man aus einem Laufgitter ausbricht. Damit war meine Freiheit wieder eingeschränkt. Zu dieser Zeit war Tochter C.s Lieblingshund eine Deutsche Dogge. Die war zwar doppelt so groß wie sie - aber sie fand die Rasse so süß. <br /> Aus dieser Zeit gibt es niedliche Fotos. Kinder im Zelt mit Hund oder Tochter A. mit Hund neben sich - natürlich mit Verband. Damit bin ich bei den nächsten Unfällen angekommen. Auf eine Schürfwunde am Arm musste unbedingt ein Pflaster, das natürlich festklebte. Also wieder Kinderarzt. Dieser pulte in mühsamer Kleinarbeit das Pflaster herunter und siehe da: Tochter A. konnte für zwei Wochen einen riesigern Verband um den Arm tragen. - Auffallen um jeden Preis.  Nicht viel später kam der Kampf mit dem Straßenschild. Tochter A. musste unbedingt dagegen rennen. Wir waren auf dem Weg zum Schwimmbad, als Tochter A. diesen "Materialtest" startete. Leider musste sie feststellen, dass eine riesige Beule auf dem Kopf nicht sehr kleidsam ist. Das Schild steht heute noch, wenn auch ein wenig schief. Jedes Mal, wenn ich dort vorbeikomme, überlege ich, ob dies die Schuld von Tochter A. ist. Ins Schwimmbad sind wir trotzdem gegangen. Dieses Mal sah der Kinderarzt uns nicht.  Aber dieses Schwimmbad hatte etwas gegen Tochter A. und mich. Es war Sommer und der lang ersehnte Schwimmkurs begann im Freibad. Wir hatten herrliches Wetter. 14°C Wasser und 16°C Lufttemperatur. Also klasse Vorraussetzungen, um schwimmen zu lernen. Unter vielen Bestechungen und Drohungen wurde der Kurs aber erfolgreich beendet. Beim nächsten Kurs traf es mich - mir wurden die Schuhe gestohlen. 30°C im Schatten barfuß nach Hause zu gehen kam gut.

 

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1.6.08 00:29


Das Zelt

Wie jeder weiß, werden vor allen Dingen Frauen im Alter etwas komisch. Pausenlos betrachten sie Babyfotos ihres Nachwuchses und schwelgen in Erinnerungen. Mir geht es genauso. Bei dem schweren Stand in der Familie ist dies ganz natürlich. Wer leidet schon wie ich unter seiner Majestät und dem Gefolge Tochter A. und C.. Ich glaube kaum, dass jemand anderes so der Lächerlichkeit preisgegeben wird, wie ich. Aber genug über mein schweres Leben.
Beim Betrachten alter Fotos stieß ich auf ein herzallerliebstes Foto. Beide Kinder noch von kleiner Gestalt - etwa 3 und 5 Jahre alt. Zu dieser Zeit besaßen wir unseren treuen Schäferhund Happy. Da hochsommerliche Temperaturen herrschten konnten Tochter A. und C.  ihr Domizil im Garten aufschlagen. Da die baulichen Möglichkeiten begrenzt waren, musste ein Zelt herhalten. Glücklicherweise war dieses leicht auf und ab zu bauen, da ich in technischen Dingen nicht sehr versiert war und bin - also völlig talentfrei.
Probewohnen (auch über Nacht) fand im Kinderzimmer statt und das Zelt wurde für tauglich befunden. Um die geschwisterliche Verbundenheit hervorzuheben trugen Tochter A. und C. die gleichen T-Shirts. Lila mit weißen Punkten (Diese T-Shirts gab es in fünf Varianten). Tochter A. und C. bewohnten also dieses Zelt von ca. 80*80cm. Komplett gefüllt war es aber erst durch die Anwesenheit des Hundes, und zwar so gefüllt, dass keiner der drei sich mehr bewegen konnte ohne das Zelt zum Einsturz zu bringen. Dies wird auch der Grund sein, dass Tochter A. und C. zurück ins Haus zogen. Wenn ich heute dieses Foto betrachte, kommen mir vor Rührung fast die Tränen, Tochter A. und C. bringen hir nur ein mitleidiges Grinsen zustande über den schlechten Geschmack ihrer Mutter (betr. die T-Shirts) - wie sie mir selbst gesagt haben.

26.12.07 15:42


Kapittel 5

Dann begann die Zeit der Unfälle.
Diese Periode ließ mich um gefühlte 10 Jahre älter werden. Mein Platz beim Kinderarzt wurde gar nicht mehr kalt. Außerdem gab es dort ein wunderbares Warte- d.h. Spielzimmer.
Ein kleiner Splitter konnte schon den ganzen Tagesablauf durcheinander bringen.
Eine derart schwere Verletzung am Finger von Tochter A. konnte selbstverständlich nur operativ beim Arzt entfernt werden.
Tochter C. war schon mit 2 Jahren sehr vergesslich. In großer Eile die Treppe herunterzustürmen ist das Eine. ZU vergessen, dass am Fuß der Treppe ein Wandschrank ist, das Andere. Leider geann der Wandschrank, während auf Tochter C. ein blaues Hörnchen wuchs, dass jeder glaubte, gleich platzt der Kopf.
Aber Kinder müssen ja Erfahrungen sammeln. Etwa, dass eine Wippe im Gesicht nicht nur weh tut, sondern die Lippe dann auch ziemlich blöd aussieht. Selbst Löcher im Kopf oder festgeklebte Pflaster, die in stundenlangen Sitzungen beim Arzt abgepult werden mussten, haben bei mir keine grauen Haare hinterlassen. Mittlerweile nur noch in Jeans und T-Shirt hatte ich immer noch die Macht. Ich war immer noch ein großer Napoleon.
Hätte ich damals schon wissen müssen, dass meine Tage gezählt sind? Hätte ich etwas unternehmen können?

9.12.07 21:11


Die Tote im Keller

Eigentlich müsste es Kapittel 978 sein. Mich plagen wahre Horrorvisionen. Meine Erinnerungen beginnen mit einer Grabsocke im Keller. Sollte dies ein Omen sein? Erste Erinnerungen plagten mich: Es begann, als Tochter C noch sehr klein war. Gerade war sie in den Besitz eines grünen Dinosauriers mit pinken Flecken gelangt, als wir auf die Idee kamen, Kaffee trinken zu gehen. Es ging alles gut - bis auf den Rückweg. Ich hatte die glorreiche Idee, den Kinderwagen durch eine Drehtür zu schieben, als ich mitsamt dem Kinderwagen stecken blieb. Es ging weder hin noch zurück. Erst mit Hilfe diverser Kellner konnten wir Tochter C aus dieser Falle befreien. Noch heute leidete Tochter C unter diesem Trauma. Sie besteigt keinen Kinderwagen mehr.
Jahre später hatten wir ein Erlebnis ähnlicher Art. Der angesagteste Lebensmittelladen in unserer Umgebung baut um. Hätte ich wissen müssen, dass mich auch hier das Unheil einholt? Kaum hatten wir im strömenden Regen unsere Pfandflaschen entsorgt, ereilte uns das Unheil. Wir betraten das Einkaufszentrum: Ich mit riesigem Einkaufswagen nebst Taschen und Regenschirm gemeinsam mit Tochter A als Vorhut und Tochter C im Gefolge. Plötzlich geschah das Unglück - in dem Moment als eine weitere Käuferin das Geschäft betreten wollte, brach Tochter A in ein riesiges Geschrei aus: Wir waren gefangen. Eine Tür schloss sich gerade und die andere ließ sich nicht öffnen. Tochter A schrie sofort die uns unbekannte Käuferin an,die hinter ihr liegende Tür zu öffnen, was dieser natürlich nicht gelang. Jetzt saßen wir also in der Falle. Tochter A drückte weiterhin mit ungeahnten Kräften gegen die vor uns liegende rettende Tür, jedoch nichts half. Plötzlich, wie aus Geisterhand- öffnete sich die Tür, allerdings auf der Seite, auf der Tochter A zuerst nicht versucht hatte, diese zu öffnen. Ich hoffe, wir dürfen dieses Geschäft auch in Zukunft noch besuchen, da uns unterstellt wird, allen Kunden Angst einzujagen. Auf der anderen Seite sind wir anschließend vor Lachen fast zusammengebrochen, was lautstärkemäßig der Geschäftsleitung auch nicht gefiel.
Aber zurück zum Grabsocken. Dieser Socken tauchte unerwarteter Weise im Vorraum zu unserer Kellertreppe auf: Ich malte mir in diesem Moment aus: Was passiert, wenn ich von dem Geruch ohnmächtig werde und falle? Egal aus welchen Gründen, ich würde die steile Kellertreppe hinunterstürzen und im feuchten Kellergewölbe landen. Meine Schreie würden unerhört verhallen, keiner würde mir helfen. Eure Majestät würde mich in diesem Verließ nicht vermuten. Tochter A und C würden mich vielleicht vermissen, da das Essen nicht fertig und die Kleidung nicht gebügelt war. Erst im Falle, dass Tochter C durstig werden würde, was dauern konnte, würde die Tür zur Hölle geöffnet werden. Was aber würde ich davon haben? Gar nichts. Beide Töchter trauten weder der Kellertreppe noch dem darunter liegenden feuchten Verließ. Sie würden mich zwar sehen, jedoch würde jede Hilfe zu spät kommen, da ich mit Sicherheit eher verhungern oder verdursten würde, bevor die heiratswütigen Töchter mir zur Hilfe eilen würden. Meine Knochen werden also im Falle eines Sturzes vermutlich noch in hunderten von Jahren im Keller vermodern, einzig und allein aus dem Grund, dass sich eine einzelne Socke in den Keller verirrt hat.

22.10.07 20:48


Kapittel 4

Mit dem Älterwerden der Kinder wuchsen natürlich auch die Probleme. Und hier gab es viele. Ein täglich wiederkehrendes Problem war das Waschen oder – noch schlimmer – Baden. Ich betete um ein schalldichtes Badezimmer, da wohl die gesamte Nachbarschaft an Kindesmisshandlung glaubte. Weshalb muss man sich das Gesicht waschen, nachdem eine Tafel vermutlich quer in den Mund geschoben wurde und gleichzeitig die Hände dunkelbraun gefärbt hatte? Im Bad hingen doch Handtücher, die ausreichend groß waren, um ein Trockenbad zu nehmen. Füße waschen?!? Die sieht man in Schuhen und Strümpfen ja gar nicht, außerdem werden sie sowieso wieder schmutzig. Also völlig überflüssig. Die größte Strafe war jedoch Haare waschen, wäre ich damals nicht groß genug gewesen, ständen die Haare vermutlich heute senkrecht in die Luft. Die Schmerzen müssen für die Kinder unerträglich sein, den Tränen und dem Geschrei nach zu urteilen. Tochter C. bezichtigte sogar den Friseur der Körperverletzung, als dieser ihr die Haare schneiden wollte.
Andererseits waren die beiden nahrungstechnisch sehr genügsam. Schokolade, Pommes und Nudeln – genau in der Reihenfolge – waren ausreichend. Beim Verzehr von Gemüse konnte ich an den Gesichtern ablesen, dass beide vermutlich an Lebensmittelvergiftung sterben. Lediglich Eier wurden schwesterlich geteilt. Einer aß „Gelbei“, der andere „Weißei“.

21.10.07 19:06


Arschförmchen

Leider ist es mir zurzeit nicht möglich, die Ohrwurmhitparade zu fertigen, da ich erst über Arschförmchen berichten muss.
Da unser Wohnzimmer quadratmäßig sehr begrenzt ist, hat es sich ergeben, dass die Sitzgelegenheiten rangmäßig vergeben sind. Eure Majestät hat hier den Fensterplatz umgeben von Fachliteratur, Zeitschriften, Paketen, Papier und Technik etc. Da er ordentlich Sitzfleich hat, ist hier schon das erste Arschförmchen (eher Arschform) zu erkennen. Ist dieser Platz mal nicht besetzt, wird er von der Matriachin Napissy belegt. Tochter A und C können sich nur gelegentlich auf diesem Platz aufhalten, obwohl er sehr begehrt ist. Ist es mal etwas voller im Wohnzimmer, werden mit Sicherheit zwei Eßzimmerstühle boykottiert, da man hier garantiert nichts mitbekommt. Sehr beliebt ist dann noch der Außenseiterstuhl, da man diesen von allen Seiten besetzen kann. Es kann aber auch passieren, dass ungebetene Gäste hier Platz nehmen müssen
.
Eines Tages ergab es sich, dass ein neuer Pavillion angeschafft wurde. Da Euer Gnaden sich nicht entscheiden konnte, ob er auf dem Hof oder im alten oder neuen Garten aufgebaut wird, wurde dieser erst einmal für ein paar Monate vor der Heizung deponiert. So passierte es eines Tages, dass Tochter C auf diesem Teil Platz nehmen musste oder durfte (genau weiss ich das nicht mehr). Aus Protest sackte der Pavillion formmäig in sich zusammen und es entstand das zweite Arschförmchen - nur kleiner. Nachdem sich der Herr des Hauses für den richtigen Aufstellungsort entschieden hatte - nämlich im neuen Garten, damit wir Esmeralda, die Riesenschildkröte auch bei Regen betrachten können - haben den Pavillion dort entfaltet - und siehe da: Der Pavillion hatte nicht nur ein Arschförmchen, sondern auf jeder Seite zwei. Das muss erst einmal jemand nachmachen. Ich habe noch keinen anderen Pavillion mit so einer zweifelhaften Form erlebt.

2.10.07 15:18


Name: Napissy Bonagarvalon
Alter: siehe Countdown
E-Mail: NapoleonsDachboden@gmx.de
Taetigkeit: Arbeiten, Schwachsinn schreiben, HAUSFRAU!!

News: 01.06.08
Nach Ewigkeiten ist nun das 6. Kapittel da!

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