Napoleon - Das Leben einer alternden Hausfrau

- erweitete Ausgabe -

Es hat lange gedauert, bis ich mir endlich eingestanden habe: Ich bin Napoleon.

Rückblickend muss ich sagen, mein Leben ist zweigeteilt, nein, eigentlich dreigeteilt. Gibt es für mich überhaupt noch einen vierten Teil?

1. Kapitel

Ich war schon immer klein. So habe ich schon meine ersten Erinnerungen beschrieben, aber im Nachhinein kamen noch viele Erinnerungen dazu:

Mein schriftstellerisches Talent entdeckte ich schon früh, auch wenn es lange brach lag. Es existieren Fotos, auf denen ich etwa zwei oder drei Jahre alt bin und bereits an der Schreibmaschine sitze. Bildung wurde also groß geschrieben. Selbst bei so alltäglichen Verrichtungen, wie Sitzungen auf dem Töpfchen, wurden nur mit Lektüre ausgeführt, d. h. vor mir stand eine Fußbank aus Holz, dazu gab es meist Kataloge und eben Stifte. Warum ich also mein Talent vernachlässigt habe, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen.

Weiter fiel mir meine Kopfbedeckung im Winter ein: Eine blaue Plüschmütze. Ich weiß noch, dass ich diese wunderschöne Mütze morgens aufsetzte - bis ich um die Straßenecke war - dann wanderte diese Mütze bis mittags in die Schultasche. Die Mütze war wunderschön: babyblau und unter dem Hals mit einer Schleife zu binden. Leider fand diese Mütze außer meiner Oma niemand schön.

Nachdem mir diese Mütze in den Kopf kam, fielen mir weitere modische Einzelheiten meiner Kindheit ein: Etwa meine wunderschöne rote Kunstlederjacke, an die ich heute mit Grausen zurückdenke, Im Sommer dagegen trug ich “Klapperlatschen”, die heute kein Mensch mehr kennt: Ein Stück Holz mit Leder als Halt für die Füße. Etwas älter geworden, trug ich einen Lederrock, braun / gelb gestreift mit Druckknöpfen.

Dazu passten natürlich nur rote Schuhe mit Plateausohlen ,10 cm Absatz und Schritte wie ein Huhn auf Eiern. Noch heute trage ich mit Stolz meine Hühneraugen. Und das ist ……Jahre her.

 

Genauso schön waren meine Jeans: Der Schlag musste unheimlich weit sein. Dazu nähte ich karierten Stoff in die Jeans ein. Außerdem musste die Hose unheimlich eng sein, peinlicherweise platzte diese Hose dann im  ungeeignetsten Moment. Dazu trug ich Pullover in Größe 54, auch wenn eigentlich Größe 36 gereicht hätte. Dann gab es Zeiten, in denen ich nur in einer Öljacke aus dem Haus ging. Diese Dinger kennt außer Bootsleuten heute keiner mehr. Das Teil war quietschgelb und mit Druckknöpfen zu schließen - einfach scheußlich. Besser war da schon mein Bundeswehrparka, hier durfte eine Drahtbürste, von der der Stiel unbedingt aus der Tasche gucken musste, nicht fehlen. Ob ich mit dieser Bürste jemals meine Haare gekämmt habe, weiß ich nicht mehr.

Aber zurück zum Thema: Ich war ja schon immer klein. Aber es gab immer jemanden, der noch kleiner war. Wozu hat man schließlich jüngere Geschwister?

Außerdem war ich einmal jung. Dies ist zwar schon lange her, aber ich kann mich an Zeiten erinnern, da gab es hohe Schuhe, Bikinis und kurze Röcke oder enge Hosen. Auch ich war irgendwann groß genug, um den Vorteil solcher wichtigen Kleidungsstücke zu verstehen. Noch heute höre ich die Pfiffe der Bauarbeiter aus ihren Erdlöchern. Pfiffen sie wegen meiner langen Beine in den gewagt hohen Schuhen oder haben sie mir nur unter den Rock geschaut? Möglicherweise sah ich auch nur einfach bescheuert aus. Dieses Geheimnis werde ich vermutlich nie lüften. Auch das Hupkonzert der Autofahrer werde ich nie vergessen, wenn ich elegant über die Straße stolzierte: Stilettos, kurzer Rock und ohne Brille. Kritiker könnten einwerfen, es liegt an meiner Kurzsichtigkeit, dass ich so oft diese Hupkonzerte hörte, aber wer bitte geht mit einer Brille auf die Straße? Trotz allem war es aber auch eine barbarische Zeit. Die Schuhe waren so hoch, dass man diese nicht ausziehen konnte. Sonst hätte man in den Latschen eines Freundes nach Hause gehen müssen, da die Füße auf die doppelte Größe angeschwollen waren.

Ebenfalls tückisch waren die Röcke. Ließ man etwas fallen, brauchte man die Akrobatik eines Schlangenmenschen, um den jeweiligen Gegenstand aufzuheben. Wer will schon jedes Mal seine Unterwäsche vorführen? Genauso heimtückisch waren Hosen. Diese hatten die Angewohnheit, immer dann zu platzen, wenn genügend Publikum zum Lachen da war. Wobei mir gerade die genialen Weihnachtsgeschenke meiner Oma einfallen, die sich unheimlich Sorgen um meine Ansehen und meine Gesundheit machte. Es gab jährlich die so genannten Liebestöter:

(bild kommt nach)


Dieses wunderschöne Modell gab es wahlweise in weiß mit Blümchen oder in zartrosa. Dass sich diese monströsen Hosen natürlich unter hautengen Jeans abzeichneten, zählte nicht. Dafür hatte man aber warme Nieren.

Hätte ich damals gewusst, was auf mich zukommt, meine Schuhe wären noch höher, die Röcke noch kürzer und die Hosen noch enger gewesen.

 

Name: Napissy Bonagarvalon
Alter: siehe Countdown
E-Mail: NapoleonsDachboden@gmx.de
Taetigkeit: Arbeiten, Schwachsinn schreiben, HAUSFRAU!!

News: 01.06.08
Nach Ewigkeiten ist nun das 6. Kapittel da!

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