Ich bin gerade heftigst am Stricken - dabei kamen mir fürchterliche Gedanken: Mir schossen entsetzliche Bilder durch den Kopf, bei denen ich heute noch eine rote Birne bekomme.

Zum einen war es meine erste Dauerwelle. Ich war zu dieser Zeit ca. 16 Jahre alt. Ich hatte eine Tante namens Hertha. An diese kann ich mich heute kaum noch erinnern. Ich weiß noch, sie war ein äußerst zierliches Persönchen mit endlosen rot lackierten Fingernägeln. Wenn ich an diese Tante denke, sehe ich Sie entweder mit Zigarette oder mit Strickzeug vor mir. Dies waren ihre liebsten Freizeitbeschäftigungen. Außerdem versorgte sie die gesamte Nachbarschaft mit Fertigdauerwellen. Dass die gesamte Nachbarschaft aus meist älteren bis alten Damen bestand, hätte mir zu Denken geben müssen. Ich wollte jedoch auch endlich wunderschöne Locken haben, hatte aber nie genug Geld, um mir einen Friseur leisten zu können. Also auf zu Tante Hertha.

Meine Schwester war das erste Opfer. Nachdem sie mit Dauerwellenlocken und irgendwelchen Chemikalien versehen war, kam ich an die Reihe. Auch ich hatte hinterher den Kopf voller Wickler sowie irgendeiner Tinktur. Gemeinsam stanken wir dann ca. eine halbe Stunde vor uns hin. Es roch entsetzlich nach faulen Eiern. Anschließend wurde gewaschen, gespült und erneut gewickelt - diesmal auf Lockenwickler made ca. 1960. Als wir dann zuhause das Ergebnis betrachten konnten, sind wir fast im Boden versunken. Wir sahen aus wie die älteren Damen aus der Nachbarschaft meiner Tante. Da ich jedoch kurze Zeit später bereits verabredet war, schmiss ich mich in Schale und stolzierte los. Der Gang zu meinen Freunden war das reinste Spießrutenlaufen. Ich hatte das Gefühl, sämtliche Spaziergänger im Park haben sich über meine “Frisur” totgelacht. Der Spott meiner Freunde war genauso hart zu ertragen. Ich muss besser ausgesehen haben, als irgendeine Vogelscheuche im Kornfeld. Zum Glück wächst aber jede Dauerwelle einmal heraus. Die Wirkung auf andere hielt mich für die nächsten Jahre von weiteren Experimenten ab.

Es gab jedoch einen Rückfall, der kurz vor meiner Hochzeit anfing und etwa sechs Jahre ´lang anhielt. Tochter A. und Tochter C. haben vor kurzem mit mir alte Bilder angeschaut. Hätten wir dies doch lieber nicht getan. Ich hatte das Gefühl, beide wollten mich fragen, ob ich mit dieser Person bekannt bzw. verwandt bin (War es etwa meine eigene Großmutter?) Diese Bilder sind allerliebste. Ich unter dem Tannenbaum - mit blauen Strickkleid - ich bin zwar schlank, doch blau steht mir überhaupt nicht. Dann ich unter dem Tannenbaum - rosa Bluse und Faltenrock mit großen Blumen. Wenn ich heute diese Bilder betrachte, könnte man denken, ich hätte eine Zeitreise hinter mir. Erst kurze Röcke und Stöckelschuhe, dann Dauerwelle und Faltenrock und schließlich Jeans, die ich heute noch liebe. Wenigstens war die Dauerwelle vom Friseur und sah erheblich besser aus, als die von Tante Hertha. Ich fand mich zu dieser Zeit todschick. Wenn ich heute diese Bilder sehe, fällt mir dazu aber überhaupt nichts mehr ein. Wahrscheinlich hatte ich unwahrscheinliches Glück, meine Kinder zu bekommen, denn sonst wäre ich wahrscheinlich auf noch dümmere Gedanken gekommen und würde heute aussehen wie eine alte Matrone. Vermutlich hätte ich jeden Friseur reich gemacht und hätte Tonnen an Haarspray verbraucht. Ob ich jetzt noch Faltenröcke tragen würde, bezweifle ich allerdings. Das einzig schöne an den alten Bildern von damals ist allerdings der Tannenbaum. Dieser wurde in einem oder zwei Jahren bestimmt in 25 Variationen fotografiert. Ich immer davor: mal im Strickkleid, dann im Faltenrock, jedoch immer blöde grinsend. Ich war schon immer sehr fotogen.

Ich hoffe, mir fallen nicht noch mehr dieser Jugendsünden ein. Tochter A. und Tochter C. fallen irgendwann vor Lachen in Ohnmacht.

Name: Napissy Bonagarvalon
Alter: siehe Countdown
E-Mail: NapoleonsDachboden@gmx.de
Taetigkeit: Arbeiten, Schwachsinn schreiben, HAUSFRAU!!

News: 01.06.08
Nach Ewigkeiten ist nun das 6. Kapittel da!

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